Mittwoch, 4. September 2013

Eine Deutsche in ... Firenzeee!

In Firenze ist der Frühherbst so hochsommerlich, dass das luftigste Kleid gerade recht ist, um ihm zu begegnen. Abends weht ein lauer Wind durch die Straßen, die Wärme des Tages steigt von den Steinen auf. Auf der Piazza della Signoria sitzt man auf den Treppen des Palazzo Vecchio und der Galeria degli Uffizi. Ein einsamer Gitarrist zupft melancholische Melodien. Meine Gedanken wandern durch den Tag. Wie ich im Battistero saß, zu den goldenen Mosaiken hinaufblickte und (wie man mir prophezeit hatte) begriff, was mit "umgekehrter Perspektive" gemeint war. Wie ich durch die Straßen irrte. Und wie ich, nachdem mein Versuch, einen Inhaber der "Ciao-Bella"-Mentalität mit etwas mehr Eleganz in die Flucht zu schlagen, gescheitert war, seufzend doch wieder zur einfach nachhaltigsten Methode der radikalen Brüskierung gegriffen hatte. Oder, viel erfreulicher, wie der Cappuccino des Morgens geschmeckt hatte - so ganz anders als zu Hause.
Hmmm. Was für ein schöner Tag!
Erfüllt trat ich langsam meinen Rückweg zum Hotel an, der mich vorbei an der Piazza del Duomo führte. Dort ertönten die Klänge eines Akkordeons. Ich wollte nur ein paar Minuten mit dem Blick zu Santa Maria del Fiore verweilen. Doch der Akkordeonspieler war wirklich richtig gut, und so geriet es für mich zum Open Air. Bach, Pachelbel,  und auch der Komponist der Amélie-Stücke gaben einander die Hand. Als nach und nach ein paar Leute sich auf der Straße niederließen, um zu lauschen, ließ der Solist voller Virtuosität die Finger fliegen. Ein Deutscher mit Threadlocks setzte sich auf den Boden. Dann eine französische Dame mit großen Holzohrringen. Ein Polizeiauto machte einen Bogen um uns und fuhr auf der anderen Straßenseite weiter. Dann erklangen Tangos - doch selbst in Italien wollte niemand so recht das Tanzbein schwingen. Bis ein kleines blondgelocktes Mädchen mit ihrer italienischen Mama die Straße zu ihrem Parkett machten. Wir lachten, der Akkordeonspieler wurde noch eifriger und spielte drei Tangos am Stück. Die kleine italienische Familie tauschte ein paar Wörter auf Englisch mit mir aus, die Großmama besaß die Freundlichkeit, mich auf die Hälfte meines realen Alters zu schätzen und deswegen direkt zu meinem Mut zu dieser einsamen Reise zu gratulieren. Nun ja, wir schieden mit einem überschwänglichen "Ciao" und einem Händedruck.
Ein Highlight des Abends habe ich dem gewogenen Leser bisher verschwiegen: Wer hätte wohl gedacht, dass man Vivaldis Winter auf dem Akkordeon spielen kann? Es ist möglich! Der Link führt zu einem Youtube-Video des heutigen Solisten: http://www.youtube.com/watch?v=1MKtEI0rho0 (erklärt das meine Faszination?).

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